Gedanken zur Reaktivierung der Begatalbahn

06. November 2011 von Ingo

Vor einem Jahr ist die Entscheidung des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe gegen die Reaktivierung der Begatalbahn zwischen Lamgo und Barntrup gefallen. Damit waren alle Bestrebungen zur Reaktivierung gescheitert.

Wie sieht es ein Jahr nach der Entscheidung aus? Schon vor einem Jahr lagen konkrete Pläne zur Reaktivierung auf dem Tisch. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie attestierte der Reaktivierung die Wirtschaftlichkeit. Die zu erwartenden Entwicklungen im Verkehrssektor haben sich bestätigt und verstärkt:

  • Der demographische Wandel und steigende Energiepreise lassen die Urbanisierung weiter steigen („Landflucht“).
  • Wachsende Bevölkerungszahlen in den großen Städten sorgen dort für verstopfte Straßen und fehlenden Parkraum.
  • Die städtische Bevölkerung nutzt daher vermehrt alternative Verkehrskonzepte (ÖPNV, Fahrrad, Carsharing-Systeme).
  • Damit kehrt sich ein wachsender Anteil der Bevölkerung vom motorisierten Individualverkehr ab, was sich entsprechend auch auf das Wählerverhalten auswirkt
  • Die Kosten des Verkehrsträgers Straße steigen weiter. Neben den Kraftstoffkosten steigen auch die Unterhaltungskosten der Verkehrswege. Insbesondere die Auswirkungen der vergangenen beiden Winter haben kostspielige Sanierungen erforderlich gemacht.
  • Zur Finanzierung der Kosten werden immer wieder Diskussionen über PKW-Maut oder steigende Kfz-Steuern angestoßen.
  • Wegen der vergleichsweise geringen Investitionen ins deutsche Schienennetz wird innen- wie außenpolitisch der Druck auf Deutschland wachsen, mehr Mittel in den ökologischen Schienenverkehr zu investieren (siehe europäischen Vergleich der Investitionen in die Schieneninfrastruktur)
  • In vielen Teilen des Landes wurden in den vergangenen Monaten mit großem Erfolg Eisenbahnstrecken für den Regionalverkehr reaktiviert.
  • Der Verbrauch der fossilen Energieträger schreitet immer schneller voran, was zu einer deutlichen Verknappung führt.
  • Der Kraftstoffbedarf kann mittelfristig nicht durch biologische Kraftstoffe gedeckt werden, da die nötigen Anbaufläschen fehlen.
  • Anfang dieses Jahres zeigte die Diskussion um den Atomausstieg, wie ökologische Katastrophen in anderen Teilen der Welt die nationale Energiepolitik maßgeblich beeinflussen können.
  • Die Nachfrage im Schienenverkehr steigt insbesondere im Güterverkehr stetig.

Alle diese Entwicklungen werden früher oder später auch die Eisenbahn in Lippe beeinflussen. Schneller als erwartet wird man auch wieder über die Reaktivierung der Begatalbahn sprechen. Die Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebs östlich von Lemgo wird mit jedem Tag wirtschaftlicher und sinnvoller. In Kürze wird die Reaktivierung zwingend sein und so geht es nicht mehr um die Frage, ob es zur Reaktivierung kommt, sondern wann die Reaktivierung kommt.

Hoffentlich wird die Region nicht den Anschluss verpassen.

Die Kommentarfuktion erlaubt an dieser Stelle allen Lesern eine gemeinsame Diskussion zu diesem Thema.

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