Reaktivierung der Begatalbahn wird wahrscheinlicher

Bereits am 23.06.2008 beschäftigte sich der lippische Kreistag unter anderem mit der Reaktivierung der Begatalbahn zwischen Lemgo-Lüttfeld und Barntrup.

Bahnübergang bei Brake (Lippe)

Die großen Parteien sprachen sich für die Reaktivierung des Streckenabschnittes aus, wobei zunächst noch Klärungsbedarf bezüglich der Finanzierungsmöglichkeiten bestehe.

Eine entsprechende Behandlung des Themas im Fachausschuss wurde beschlossen.

Mit der grundsätzlichen Bereitschaft wird die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke im lippischen Osten immer wahrscheinlicher. Durch weiterhin steigende Treibstoffkosten für den Individualverkehr und durch die aktuelle Diskussion zur Klimaerwärmung wird die Eisenbahnanbindung der Region auch volkswirtschaftlich immer interessanter.

Weitere Informationen zum aktuellen Planungsstand der Reaktivierung Begatalbahn liefert die Website der Initiative Pro-Begatalbahn.

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6 Gedanken zu “Reaktivierung der Begatalbahn wird wahrscheinlicher

  1. Ich vermisse hier eine sachliche Betrachtung des Themas!

    Der Personenverkehr wurde 1980 auf der Begatalbahn eingestellt, da die Nachfrage zu gering war.

    Seit diesem Zeitpunkt wurde die parallel verlaufende Bundesstraße 66 in Abschnitten ausgebaut, die Straße ist noch lange nicht ausgelastet.
    Im ländlichen Raum sind deutliche Abwanderungstendenzen bemerkbar, so dass die Einwohnerzahlen sinken oder zumindest stagnieren.
    Warum sollten vor diesem Hintergrund mehr Fahrgäste zu erwarten sein?

    Die Gemeinde Dörentrup und die Stadt Barntrup verfügen insgesamt über rund 17.500 Einwohner. Da die Eisenbahnstrecke jedoch an einigen Ortsteilen in größerer Entfernung vorbeiführt (Hillentrup, Schwelentrup, Wendlinghausen, Alverdissen, Sonneborn etc.), wohnen nicht einmal die Hälfte der örtlichen Bevölkerung im unmittelbaren Einzugsgebiet der Eisenbahnstrecke.
    Um die prognostizierten Fahrgastzahlen von rund 1.000 Fahrgästen pro Tag zu erreichen, müssen mehr als 10% der Einwohner im direkten Einzugsbereich der Strecke täglich den Zug benutzen. Es dürfte klar sein, dass diese Annahme total übertrieben ist.

    Die aktuell verkehrenden Busse sind außerhalb der Schulzeiten bei Weitem nicht ausgelastet. Der Schulbusverkehr wird auch nach Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke nicht eingestellt, da sich z.B. in Lemgo nicht alle Schulen in Bahnhofsnähe befinden. Bei einer Verbindung mit Umstieg von Zug auf Bus verliert die Bahnverbindung ihren zeitlichen Vorteil ohnehin.
    Niemand wird mit dem Bus von Hillentrup zum Bahnhof Dörentrup fahren, dort in den Zug einsteigen und in Lemgo vom Bahnhof mit dem Stadtbus in die Innenstadt fahren.

    Bevor hier für geschätzte rund 15 Mio Euro ein Denkmal für Initiativen und Politiker geschaffen wird, sollte man mal kritisch überlegen, ob die knappen Steuergelder nicht an anderer Stelle besser angelegt sind!

    Übrigens möchte ich hier nicht falsch verstanden werden: Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Eisenbahn. Man sollte aber die jeweiligen Sachverhalte einfach mal kritisch durchleuchten, bevor man eine Menge Geld zum Fenster hinauswirft.

    Auf eine sachliche Diskussion zum Thema freut sich

    TOBI

  2. Hallo Tobi,

    vielen Dank für den Kommentar!

    Um Abwanderungstendenzen im ländlichen Raum entgegen zu wirken, muss diese Gegend attraktiver werden. Dazu gehört auch ein leistungsfähiger ÖPNV mit Anbindung an den Schienenpersonenverkehr.
    Die Anbindung an die Eisenbahn stärkt die Wirtschaft und den Fremdenverkehr der Region.

    Der Individualverkehr wird immer teurer, so dass zukünftig immer mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen werden. Gerade auf längeren Strecken (z.B.) bis zum Oberzentrum Bielefeld bietet die Schiene deutliche Zeit- und Komfortvorteile gegenüber der Straße.

  3. Hallo Tobi,

    vielen Dank für die sachlichen Argumente. Folgende Fakten sollten nicht verschwiegen werden:

    Reaktivierung heißt für Personen-, Güter und Mueseumseisenbahnverkehr. Nur durch diese drei Betriebsformen ist Eisenbahnverkehr im Begatal sinnvoll.

    1. Die Bestellzusage des Verkehrsverbundes steht. Die Eurobahn würde den Personenverkehr durchführen.

    2. Güterverkehr ist angefragt. Die Fa. Autoverwertung Birkenfeld möchte seine Altautos mit der Bahn nach Salzgitter transportieren lassen.

    3. Die Landeseisenbahn Lippe hat das Know-How, historischen Eisenbahnverkehr im Begatal durchzuführen und möchte sein Angebot über das Extertal hinaus erweitern.

    Es ist richtig: 1980 wurde der Personenverkehr wegen zu wenigen Fahrgästen eingestellt. Es waren es noch drei durchgängige Zugpaare von Lemgo nach Barntrup/Hameln. Die Züge fuhren nicht im Takt und waren mit max 60km/h unterwegs. Bei dem steigenden Mobilitätsbedürfnis der Bürger war da eine Einstellung abzusehen.

    Alternativ könnte zukünftig mit 80km/h im Stundentakt gefahren werden.

    Gerade dem beschriebenen Problem der Abwanderung kann man durch eine relativ preiswerte und komfortable Verkehrsalternative begegnen. So sind die Baulandpreise z.B. in Dörentrup für eine berufstätige Familie aus dem Oberzentrum Bielefeld/Mittelzentrum Lemgo durchaus interessant. Der Verzicht auf einen zusätzlichen PKW tut sein übriges.

    Die heutige B66 zwischen Barntrup und Lemgo wird stufenweise zurückgebaut. Schon heute gibt es viele Querungshilfen, die den Verkehr entschleunigen. Priorität von Straßen NRW bzw. für das Land ist die B66n von Barntrup über Großenmarpe nach Lemgo.

    Der heutige Linienbusverkehr hat nicht die Qualität eines modernen Triebwagens, der komfortabel und ohne Stau sein Ziel erreicht. Nur Fahrgäste ohne wirkliche Alternative nutzen heute den Bus, um zur Bahn zu gelangen. Die Gefahr, durch Verspätung im Stadtgebiet Lemgo den Zug nicht zu erreichen, ist sehr hoch.

    Geplant für Dörentrup ist ein Ortsbus, der Schwelentrup/Hillentrup/Neukamp Ost zum Rondevouz zum Haltepunkt Dörentrup bringt. Zur gleichen Zeit wird ein Bus (heutige Linie 700/921) aus Richtung Bega/Humfeld ankommen.
    Die Fahrgäste können nun mit der Bahn z.B. nach Lemgo/Lage/Bielefeld fahren oder in den Linienbus 700/921 umsteigen/sitzen bleiben. Dieser fährt über Wendlinghausen und Voßheide in Richtung Lemgo.
    Züge aus Bielefeld stellen einen Anschluss für die Busse in die rückwertige Richtung her.

    Die Fahrgäste der reaktivierten Begatalbahn kommen nicht nur aus dem direkten Umfeld oder fahren schon heute mit dem Bus. Sie fahren zukünftig z.B. auch von Alverdissen zum HP-Bega und lassen dort Ihren PKW stehen. Oder sie fahren von Wendlinghausen zum HP-Dörentrup mit dem Fahrrad und parken es dort in den geplanten Fahrradabstellboxen. Oder lassen sich von dem Partner von Sonneborn zum Bhf-Barntrup zum Zug bringen.

    Die kürzlich veröffentlichten Zahlen der einsteigenden Fahrgäste des Haltepunkts Lemgo-Lüttfeld sind ein klares Indiz. Die hohe Akteptanz des Haltepunkts am Berufsschulzentrums/Fachhochschule wirkt sich auch positiv auf die restliche Begatalbahn aus. Schließlich ist Lemgo-Lüttfeld dann direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Barntrup und Dörentrup erreichbar.

    Ich kenne niemanden dieser Initiative der sich ein Denkmal setzen will. Ebensowenig vermute ich das von den Politikern. Sie möchte vielmehr der Gemeinde Dörentrup und der Stadt Barntrup eine Verkehrsalternative anbieten, damit die nachfolgenden Generationen in Ost-Lippe langfristige, klimafreundliche und bezahlbare Mobiltität erhalten.

    Jochen Brunsiek

  4. Hallo Herr Brunsiek,

    vielen Dank für Ihren Beitrag mit weiteren wichtigen Aspekten zur Diskussion!

    Die beschriebene Abstimmung der regionalen Busfahrpläne auf die Züge der Begatalbahn bietet enormes Potenzial für steigende Fahrgastzahlen.
    Es ist erfreulich, dass im Rahmen der Planungen schon jetzt Verknüpfungen der Verkehrsmittel Beachtung finden und Fahrplandetails bekannt sind.

    Mit Sicherheit ist der Eisenbahnanschluss Ost-Lippes ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

  5. Guten Tag Herr Brunsiek,

    zunächst einmal Danke für die Ausführungen!

    Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass bei einem angestrebte Stundentakt der Regionalbahn noch Platz für Güterverkehr und historischen Verkehr auf der Strecke ist.
    Wenn die Regionalbahn bis Barntrup fährt und dort wendet, blockiert der Zug doch die Strecke bis Lemgo.
    Oder soll es unterwegs noch weitere Bahnhöfe mit Ausweichgleis geben?
    Und: Können die anderen Strecken einen zusätzlichen Güterverkehr überhaupt noch aufnehmen? Die Strecke von Lage nach Bielefeld ist voll ausgelastet. Dort passt kein Güterzug mehr dazwischen.
    Nachdem auch die Bahnhöfe in Schötmar, Sylbach und Nienhagen nach und nach stillgelegt wurden, gibt es dort sicher auch nicht mehr viele freie Kapazitäten.

    Was bringt die Nachfrage für Güterverkehr, wenn die Züge auf den Strecken nicht abgefahren werden können?
    fragt

    TOBI

  6. Hallo TOBI,

    die Strecke ist nach den aktuellen Planungen werktags ausgelastet. Historischer Verkehr ist für Sonntags geplant. Da fährt der Personenzug nur im Zweistundentakt.

    Beim Güterverkehr handelt es sich z.B. um terminflexible Massengüter. So will der Autoverwerter Birkenfeld ca. 1000 t Altautos monatlich zur Weiterverarbeitung z.B. nach Salzgitter verschicken.

    Die Verkehrsbetriebe Extertal – Extertalbahn GmbH plant ein Logistikzentrum für die heimische-verladene Wirtschaft. Ein großes Transportvolumen haben da z.B. die Kupfertransporte aus Norddeutschland, die bisher über LKW abgewickelt werden.

    Nach jetzigen Planungen besteht durchaus die Möglichkeit, in Dörentrup Güter- oder auch Sonderzüge auch während der Betriebszeiten im Nebengleis abzustellen bzw. mit dem Personenverkehr dort zu kreuzen.

    Alternativ ist aber auch möglich, nach Betriebsschluss des Personenverkehrs auf der Begatalbahn die Übergaben durchzuführen.

    Güterübergabe könnte nach Gesprächen mit der DB-AG Tochter Railion in Herford erfolgen. Auf dem Weg dorthin gibt es durchaus noch freie Trassenkapazitäten.

    Realistisch sind bedingt durch den Transport von „Massengüter“ zwei Ãœbergabefahrten wöchentlich.

    Jochen Brunsiek

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